Mit meiner Spaziergeh-Freundin Elsa war ich heute ein paar Stunden unterwegs, und es ist nicht unbedingt abwechslungsreich, aber von allen Bekannten der letzten Jahre ist sie mir die liebste. Uns trennen drei Jahrzehnte Altersunterschied, aber wir füllen gegenseitig einen schweren Verlust in unserem jeweiligen Leben auf: Sie verlor Ende der achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts ihren einzigen Sohn an HIV, und ich ein paar Jahre später meine Mutter. Nun, da kann man wirklich sagen, da haben sich zwei gefunden. Und die wohnen sogar noch im selben Stadtviertel. Wir haben sonst natürlich nicht viel gemeinsam, so können wir zwar beide unsere Zeit frei einteilen, und lieben beide die Musik, aber sonst ergibt sich wenig wirklicher Gesprächsstoff für unseren ein bis zwei Mal die Woche stattfindenden Spaziergang. Es ist irgendwie schon familiär, mit Familie hat man auch wenig zu reden, so kenne ich das zumindest. Und dennoch, wir können grundehrlich miteinander umgehen, und das ist ein wirkliche Wohltat, gerade in einer Großstadt, wie München. Nicht, dass hier jeder lügt, aber auf der Straße sind Menschen selten ehrlich. Es sei denn, sie leben auf dieser. Natürlich kann man das nicht pauschalisieren, aber, was kann man schon pauschalisieren, insofern braucht man auch nicht jedes Mal zu sagen, „Das kann man natürlich nicht pauschalisieren.“ Ist klar, was ich meine, nicht wahr?
Nun, es ist vollzogen. Durch die Erinnerung und das erneute Durchleben dieser angenehmen Zeit heute mit Elsa, konnte ich meine negative Energie, die sich gerade unter der Dusche aufgebaut hatte – was dort in letzter Zeit sonderbarerweise häufiger vorkommt -, abbauen.
Ich mache mir tatsächlich in so Momenten, wie eben erwähnt, also wie vorhin unter der Dusche, Sorgen um mein Leben; nicht das körperliche, sondern das, meine Seele betreffend. Eines meiner derzeitigen Probleme, ist tatsächlich nicht nur die aufsteigende Wut, nein, diese hat durchaus etwas befreiendes, … ich meine, diese gelegentlich auftretende Verbitterung. Damit kann ich noch nicht wirklich umgehen, das ist auch komplett neu in meinem Leben. Allerdings glaube ich, den Auslöser zu kennen: Wahrscheinlich überdrüssig gewordene, also quasi weiter entwickelte Frustration, insbesondere über die Beziehungen in meinem Leben. Und um diese konkret zu benennen: Familie, Freunde, Frauen.
Frauen sind das kleinste Problem, einfach weil ich diese weitgehendst abgeschrieben habe. Es gibt zwar noch einen kleinen Teil in mir, der an der Hoffnung festhält, dass ich noch einmal den Weg einschlagen werde, eine intime Beziehung zu einer Frau aufzubauen, aber wenn ich auf meine Erfahrung zurückblicke, und den Maßstab betrachte, den insbesondere Diana und Maßume indirekt festgelegt haben, dann wird es schwer. Aber beide hatte ich inzwischen losgelassen, warum dann also am Maßstab festhalten, der nur noch als Ausrede und geradezu als (ja, was eigentlich noch?) … dienen kann. Gerade gestern hatte ich beim Einkaufen einen kurzen, aber sehr netten Kontakt zu einer Frau und das ist wieder in kürzester Zeit, einer dieser emotionalen Ankerplätze geworden. Ich bin mir meiner Rolle, als Außenseiter und Sonderling bewusst, da mache ich mir nichts vor. Ich hoffe dennoch, dass ich das nicht zur Abschreckung einsetze.
Na, so langsam verliere ich den roten Faden.
Okay … Frustration und Bitterkeit.
Also, dass ich keine Freunde hier finde, sondern nur noch Bekannte und nachbarschaftliche Beziehungen erweiterte, das ist okay. Es ist zwar schwierig, weil die Natur uns aus gutem Grund in Gruppen „zwingt“, aber es ist okay. Nur die Familie sorgt derzeit für Bitterkeit, indirekt. Sie hat ihr Verhalten mir gegenüber ja nicht verändert, ich allerdings meines ihr Gegenüber. Und nun bin ich in der Position, abzuwarten, um zu sehen, was passiert.
Ich muss das korrigieren, oder präziser ausdrücken: Wenn ich schreibe, ich habe mein Verhalten geändert, dann bedeutet dies in erster Linie, ich habe aufgehört, diesen Leuten hinterher zu laufen, und um Aufmerksamkeit und Zuwendung zu buhlen. Auch diese Situation kann ich natürlich nicht auf jede Beziehung gleichermaßen anwenden, will sagen, es dürfte den Meisten klar sein, dass jede Beziehung individuell verläuft.
Ach.
