Es ist sonderbar, nachdem ich nun eine weitere Episode dieser wirklich sehr interessanten TV-Serie „Shtisel“, welche in einem religiösen Stadtviertel von Jerusalem spielt, gesehen hatte, fühle ich mich wieder einigermaßen beruhigt. Es ist tagsüber so gewesen, dass ich stundenlang leicht überfordert durch Neuhausen und die angrenzende Viertel gefahren bin, um Lebensmittel einzukaufen. Mit leicht überfordert meine ich, etwas gehetzt und etwas angespannt und vom Grundgefühl her, etwas in einer Bedrohung wahrgenommenen Stimmung. Insofern war ich froh, wieder allein daheim und in Ruhe, mich meiner Arbeit widmen zu können; dritter Arbeitsmarkt quasi (auch wenn das jetzt niemand versteht).
Egal, „Shtisel“ zeigt auch, ganz gleich, auf welchem Flecken der Welt wir aufgewachsen sind, ganz gleich, welcher Religion wir angehören, die Probleme aller Menschen sind gleich, und das eint uns um so mehr. Es ist nicht so, dass ich das nun erst begriffen habe – ich reflektiere das beziehungsweise mein Leben mithilfe eines zweieinhalbtausend Jahre alten Buches aus dem Alten China, und das seit dreißig Jahren -, aber es tut gut, das täglich zu begreifen. Michael Mann, einer meiner früheren Lieblingsregisseure verarbeitete diese Weisheit in einem meiner früheren Lieblingsfilme, „Heat“, auf sehr eindrucksvolle Weise. Die Liste ist natürlich endlos, aber scheinbar nicht jedem bekannt.
Nun, ein Etappenziel ist erreicht, um dann mal dem ersten Thema des Titels gerecht zu werden: Ich habe nächste Woche zwei Termine bei zwei Psychologinnen, heute hatte eine davon unerwarteterweise zurückgerufen, und das hatte mir Auftrieb gegeben, weil Hilfe in Sicht. Trost noch nicht, da muss ich auf solch Hilfe, wie eben die von „Shtisel“ erwähnte zurückgreifen, und auf Kleinigkeiten im (sozialen) Alltag, … aber langsam löst sich der Knoten.
Ein Gespräch mit einer, wahrscheinlich ist sie auch Psychologin, von letzter Woche, hatte übrigens die Frage aufgeworfen, oder vielmehr hatte diese Frau mich auf diese Möglichkeit hingewiesen, ob ich denn etwas suchen würde, was es gar nicht gibt. Ich wollte es nicht zu geben, angedeutet hatte ich es, wenngleich ich natürlich weiß, was ich suche. Liebe, Zugehörigkeit, Trost. Und wen wundert es, wenn ich das jetzt so schreibe, den Mangel dieser ausgleichen (lassen). Nun, da stellt sich natürlich die Frage, wie ich das anstellen soll. Vor ein paar Jahren hatte ich einer Frau mit einem nahezu entstellten Gesicht, auf einem Straßenflohmarkt, Geld überreicht. Mit entstelltem Gesicht, meine ich, sie sah so aus, als hätte sie ein Feuer überlebt. Und jedenfalls, hatte sie den Vorgang der Transaktion, dazu benutzt, um zwischenmenschliche Berührung zu empfangen. Also, sie berührte mich außerordentlich lange und ausgiebig mit ihren Händen, an meinen Händen. Nun, wie kann ich dies als Beispiel nehmen und auf meinen Mangel übertragen? Mal sehen, wie ich das hin bekomme … oder hatte ich das schon die letzten Jahre oder nicht sogar mein ganzes Leben gemacht? Kurios, von diesem Standpunkt aus, hatte ich das noch nicht betrachtet.